Rotterdam: Modern, bunt, futuristisch

Aug. 17, 2024

Wo soll ich nur anfangen? Ja womit nur?!

Kaum ein Ort, den ich bis dato bereiste, hat solch‘ vielfältige Eindrück hinterlassen, wie Rotterdam. Obwohl ich hier schon einmal Halt machen durfte, vor elf Jahren für einen Tag, war es diesmal anders: intensiver, beeindruckender, spektakulärer, abwechslungsreicher, überraschender und verrückter. Die Aneinanderreihung weiterer Adjektive liese sich problemlos fortführen – zu viel wird einem geboten. Kunst, Kultur, Architektur und Geschichte – in Rotterdam gleicht keine Ecke, die einer anderen und man muss für das alles nicht mal viel Zeit investieren, da alles so nah beieinander liegt.

Altes und Neues oder aber auch die Spielwiese für Experimente

Häufig begegnet man in Rotterdam Orte, an denen die Geschichte der Stadt und die heutige Moderne unmittelbar aufeinanderprallen. Im Stadtteil Kop van Zuid, der Ort, an dem zu Zeiten der Jahrhundertwende viele Emigranten gen Amerika aufbrachen, wird das historische Hotel New York von etlichen modernen Hochhäusern flankiert, inklusive Cruise-Terminal für die großen Kreuzfahrtschiffe der heutigen Zeit.

Das historische Hotel New York in Rotterdam am Holland Amerikaplein ist umgeben von modernen Hochhäusern

Andernorts widerum lassen sich architektonische Experimente unterschiedlicher Jahrzehnte bewundern. Beginnend mit den Kubushäusern aus den 1970er Jahren, der im Jahr 2014 fertig gestellten Markthalle bis hin zum Kunstmuseum Depot Boijmans Van Beuningen aus 2021. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Rotterdam ist ein purer Erguss an Möglichkeiten für Entdeckungen jeglicher Art und ein Highlight für fotografische Touren. Für mich, der mit Vorliebe in urbaner Umgebung unterwegs ist, eine nahezu paradiesischer Fotospot!

Die Kubushäuser in Rotterdam.
Die Markthalle in Rotterdam mit dekorativer Wandbemalung.
Rolltreppen in der Markthalle Rotterdam
Das futuristische Depot Boijmans Van Beuningen ist ein 2021 eröffnetes Depot des Museums Boijmans Van Beuningen. Es befindet sich im Museumspark Rotterdam.
Graffiti-Kunst an einer Mauer im Rotterdamer Stadtteil Feijenoord

Unweit des modernen Stadtzentrum befindet sich der historische Stadtbezirk Delfshaven, von dem sich die Pilgerväter im Jahr 1620 zur Überfahrt nach Amerika aufmachten. Die Pelgrimvaderskerk (Pilgerväterkirche), in der die Pilgerväter ihren letzten Gottesdienst feierten, existiert noch heute. Direkt daneben befindet sich die Stadsbrouwerij De Pegrimzur Einkehr. Ein Besuch lohnt sich, nicht nur wegen des „heiligen“ Brauwassers 😉

Das historische Delfshaven in Rotterdam

Delfshaven ist einer der wenigen Orte in Rotterdam, der nicht dem zweiten Weltkrieg zum Opfer viel. Das ist auch der Grund dafür, das Rotterdam alles andere als typisch „niederländisch“ gilt im Vergleich zu anderen Städten, wie Amsterdam oder das um die Ecke liegende Delft. Die nahezu komplett zerstörte Stadt musste von Grund auf neu errichtet werden. Während viele Städte nach dem Krieg restaurierten, zumindest was die historischen Ortskerne angeht – meine Heimatstadt Dresden, und im Übrigen zugleich auch Partnerstadt von Rotterdam, sei hier mal als Beispiel genannt – ging Rotterdam bewusst den Weg zur Entwicklung eines neuen und modernen Stadtbildes. Kein Wunder also, dass allerhand Architekten(-büros) sich hier verewigen durften und somit das heutige moderne und zum Teil futuristische anmutende Stadtbild von Rotterdam schufen und nach wie vor schaffen.

Die Hochhäuser im Rotterdamer Stadtteil Kop van Zuid und die Erasmusbrücke

Was bleibt?

Die Aussicht nach mehr!

Keine Frage, es wird nicht meiner letzter Trip nach Rotterdam gewesen sein. Zu viel ist auf der Strecke geblieben, was zu erkunden ist. Gleichzeitig ist so vieles auf den Speicherkarten meiner Kamera gelandet, dass die Erinnerungen nicht nur zahlreich sind sondern ich das Gefühl beim Bearbeiten derer habe, nie wirklich abgereist zu sein. Ein sehr schöner Zustand, wie ich ich finde. Mir selber habe ich vorgenommen, nicht noch einmal elf Jahre bis zum nächsten Besuch verfliegen zu lassen. Das ist so ziemlich sicher wie das Amen in der Pelgrimsvaderskerk.

Uferansicht des Stadtteils Noordereiland und die Koninginnebrug in Rotterdam zur blauen Stunde

Für einen gelungen Trip nach Rotterdam braucht es ….

… nicht viel, außer Zeit! Aber die ist ja im Urlaub eh immer viel zu schnell vorbei.

Anreise und Unterkunft

Der ÖPNV in den Niederlanden ist spitze!

Am Besten gestaltet sich die Anreise (und allgemein die Fortbewegung in den Niederlanden) mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Gegensatz zur Bahn in Deutschland sind diese in den Niederlanden zuverlässig, günstig und pünktlich. Man kommt im Stundentakt von einen Ort zum anderen – zwischen den großen Städten gibt es engere Taktungen und es ist gänzlich egal, wann gefahren wird, der Preis ist stets der Gleiche. So geht es also auch!

Von Deutschland aus gibt es Direktverbindungen von Berlin/Frankfurt nach Amsterdam. Ein zentraler Umsteigepunkt stellt Utrecht Centraal dar, von dem man alle anderen Städte bequem erreich kann.

Fietsen!

Innerhalb Rotterdams ist man am Besten mit dem Rad unterwegs – niederländisch Fiets. Und wenn man sich erst einmal ans fietsen vor Ort gewöhnt hat, lässt sich allerhand in kürzester Zeit entdecken. Leihfahrräder und Stationen gibt es überall in der Stadt. Vor Ort nutze ich den Leihfahrrad-Anbieter Donkey Republic und war sehr zufrieden mit. Günstig im Preis (verschiedene Tarifoptionen buchbar) und alles per App einwandfrei steuerbar.

Nächtigen

Für alle Reisebudgets bietet Rotterdam ausreichend Unterkünfte und Hotels. Für mich war es wichtig, zentral unterzukommen mit guter ÖPNV-/Fahrrad-Anbindung, um möglichst viele Fotospots, gerade abends, schnell erreichen zu können. Meine Empfehlung ist daher ein Hotel im Stadtteil Kop van Zuid, zu buchen. Hier ist man mittendrin, mit Aussicht auf die Erasmusbrug und die Skyline von Rotterdam.

Unbedingt machen!

Wer mindestens zwei Tage mit bringt, kann ich folgende Punkte an Herz legen.

Erster Tag: Rotterdam Zentrum mit dem Fahrrad!

Kubushäuser und Markthalle befinden sich direkt an der zentralen Metrostation Blaak. Leuvehaven und Erasmubrug sind wenige Minuten davon entfernt und man befinden sich direkt im Herzen der Stadt. Die Aussicht auf die Nieuwe Maas und die futuristische Skyline von der Boompjeskade oder Willemskade muss man einfach mitnehmen! Weiter in Richtung Museumspark gelangt man zum spektakulären Depot Boijmans Van Beunningen und von da aus ist auch nicht mehr weit zum Euromast. Die Aussicht von oben über Rotterdam ist fantastisch, jedoch ist eine Vorab-Ticket-Bestellung online ratsam. Das will dann aber gut eingetaktet sein, denn die Zeitslots sind nicht großzügig ausgelegt für Verspätungen. Circa drei Kilometer westlich vom Euromast befindet sich dann schicke Delfshaven.

Für diese Tour ist ein ganzer Sommertag einzuplanen, wenn man nicht gerade hetzen und an besagten Plätzen auch mal die Seele baumeln lassen möchte.

Wenn es regnet oder das Fahrradfahren zu viel ist, erkundet die Stadt mittels Splashtours Rotterdam. Hier geht es mit dem Bus auf den Straßen und zu Wasser zu den verschiedensten Sehenswürdigkeiten.

Zweiter Tag: Unterwegs mit dem Schiff

Die Niederlande ohne Windmühlen? Für mich nahezu undenkbar, daher ist eine Tour ins naheligende Örtchen Kinderdijk unabdingbar. Die dortigen Mühlen gehören seit 1997 zum Weltkulturerbe und somit ein fotografisches Muss! Erreichbar ist Kinderdijk per Linienschiff direkt von der Erasmusbrug aus – nach knapp 40 Minuten ist das Ziel erreicht. Bequemer geht es nicht und die Aussichten vom Schiff aus lohnen sich.

Empfehlenswert ist ein morgendlicher Start, sodass man die Mühlen nach ca. drei/vier Stunden wieder per Linienschiff verlassen kann und am (frühen) Nachmittag wieder die Erasmusbrug erreicht. Dort lässt sich dann unmittelbar eine Hafenrundfahrt direkt anknüpfen. Mehr Wasser an einem Tag geht kaum.

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