Die Mosel zwischen Cochem und Zell

Jun 30, 2020

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Selten habe ich eine so reizvolle, schöne Landschaft genossen, wie die der Untermosel zwischen Cochem und Zell. Da mag der Zustand lange keinen Urlaub mehr erlebt zu haben eine zusätzliche Rolle spielen, schmälert den Gesamteindruck keineswegs, eher im Gegenteil.

Das Gute (ist) so nah

Vom Übernachtungsdomizil, einem kleinen familiengeführten Weingut im verträumten Örtchen Mesenich, ließen sich alle unmittelbaren touristischen Ziele sowie fotografischen Vorhaben sehr gut bewerkstelligen. Von Cochem mit schöner Altstadt und imposanter Reichsburg bis hin nach Zell an Mosel gibt es allerhand zu entdecken.

Je nach Fortbewegungsmittel boten sich einem verschiedene Perspektiven und Eindrücke. Als ein nicht ganz so sportlich-trainierter Mensch war die Ausleihe eines Pedelecs genau die richtige Entscheidung für einen Tagesausflug auf zwei Rädern. Für die Bewältigung der Höhen ist das ratsam, alles andere sehr anstrengend. Möglichkeiten der Ausleihe bietet da nahezu jeder größere Ort. Gleiches gilt auch für die Einkehr zur Stärkung von Körper und Geist. Die Tour führte entlang der Mosel von Zell über Pünderich nach Reil und von dort weiter über die Weinberge und Wälder zur Marienburg im Zeller Hamm mit anschließender Rückkehr nach Zell. Summa summarum machten das rund 30 km in verschiedenen Höhenlagen in rund vier Stunden, inklusiver Stärkung und diverser Halte für Fotoaufnahmen.

Das ganze Mosellandschaft ist geprägt durch den Weinanbau und zählt mit zu bekanntesten Weinanbauregionen Deutschlands. Die Steillagen, in denen zum Teil kleinstparzellenartigst jeder Quadratmeter zum Anbau genutzt wird, sind einfach beeindruckend. Die Umstände, wie früher händisch und ohne maschinelle Hilfe die Weinlese von statten ging, heute unvorstellbar. Besonders beeindruckend ist der Calmont bei Bremm mit einer Steillage von bis zu 65 %.

Viele Weinberghänge sind terrassenartig angelegt und können dadurch auf verschiedene Höhen durchquert werden. Man merkt den Nutzen dieser Weinberglagen sofort; es heizt sich bei Sonneneinstrahlung spürbar auf und die Wärme wird länger gespeichert – genau das, was der Wein für eine gute Weinlese benötigt.

Tierisch gute Weine

Natürlich liegt es nahe das kostbare Gut des Traubensaftes vor Ort zu probieren. Möglichkeiten gibt es zu Hauf, auch unser Übernachtungs-Weingut bot etliche Weinsorten aus dem eigenen Anbau an. Kürzer kann die Lieferkette zwischen Erzeuger und Konsument gar nicht sein 🙂

Durch meinen Großvater, der Winzer war, wurden mir gewisse Grundlagen des Weinanbaus in die Wiege gelegt. Von einem Feinschmecker, der einen Rivaner von einem Grauburgunder zu 100 % unterscheiden kann, bin ich weit entfernt, dennoch vermag ich gewisse Geschmacksnoten und -unterschiede und „Verhalten im Glas“ ausfindig machen zu können. Alle probierten Sorten waren sehr gut; das hatte ich so in der Breite gar nicht erwartet.

Die Schwarze Katz ist überall im kleinen Städtchen Zell anzutreffen. Sie steht für die Weinberglage im Weinanbaugebiet der Mosel im Raum Zell. Der Erzählung nach konnten sich Weinhändler nach einer Weinprobe nicht für eine Sorte für den Verkauf entscheiden. Als eine schwarze Katze auf eines der Weinfässer sprang und dieses mit allen Mitteln verteidigte, entschieden sich die Weinhändler für dieses. Dieser Wein verkaufte sich im Nachgang so erfolgreich, dass später alle Weine von der entsprechenden Weinberglage aufgekauft wurden. Die Lage erhielt danach ihren Namen Schwarze Katz und ist heute ein geschütztes, regionales Qualitätssiegel für Weine aus dieser Region.

Die Mosellandschaft ist mehr als nur eine Reise wert und es gilt noch vieles zu entdecken. Was am Ende bleibt? Viele schöne Bilder (nicht nur im Kopf) und ein Versprechen: Wir kommen gerne wieder!

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